Montag, 15. Juli 2019

Fatalismus

Wie gewohnt beginnen wir auch heute mit den neuesten Nachrichten zu unserem pflegebedürftigen skandinavischen Familienmitglied. Um wenigstens etwas deutsche Ordnung ins Spiel zu bringen, hatte ich mir vorgenommen, die  duct/duck-tape-Befestigung des linken Außenspiegelglases fachmännisch zu ersetzen. Hierzu wurde extra aus Deutschland EIN Ersatzteil herangeschafft. Man ahnt es schon: es wäre clever gewesen, vor der Bestellung auch mal den rechten Außenspiegel zu prüfen und ggf. ZWEI Spiegelgläser zu ordern. So hat sich nun die Situation dahingehend geändert, dass sich der linke Außenspiegel in tadellosem Zustand befindet, währenddessen das Tape von links nach rechts gewandert ist. Als Belohnung für meine Pflegebemühungen gesellt sich im Laufe des Monats ein ABS-Problem zu den bestehenden Wehwehchen hinzu. Also ab zum Schrauber unseres Vertrauens (haha) und das Problem geschildert. Zurück kommt das Auto von Selbigem mit einer Rechnung über diverse Extras, die nur teilweise so abgesprochen und auch nur teilweise nötig waren. Neuer Kraftstofffilter, Ölfilter, ausgewuchtete Räder, zwei neue Reifen, neue Wischerblätter, etc. Kein Posten auf der Rechnung lässt sich allerdings mit dem ABS in Zusammenhang bringen. Auf Nachfrage ist man etwas verdutzt, macht eine Probefahrt, und ist dann der Meinung, dass alle Probleme behoben seien. Kaum ist die Karre vom Hof, da erscheint der freundliche Hinweis „Brake assistant service required“ im Display. Bei uns würde man die Hände überm Kopf zusammenschlagen bei derartigem Dilettantismus. Wenn man die Story allerdings einem gestandenen Südafrikaner erzählt, erntet man für gewöhnlich ein müdes Lächeln sowie die Erzählung von einer nahezu beliebigen Anzahl von weiteren, ähnlich gelagerten Anekdoten. Als ordentlicher Deutscher muss man hier vor allem eins lernen: Puls runter bringen und die unabänderlichen Fügungen des Schicksals mit stoischer Ruhe zur Kenntnis nehmen … umgangssprachlich nennt man das wohl Fatalismus. Gelegenheit uns darin zu üben hatten wir im vergangenen Monat genug. Zum Beleg dessen schildere ich im Folgenden eine Auswahl an Begebenheiten, die allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Zunächst einmal beschließen wir Anfang Juni, dass es an der Zeit sei, die etwas eingerosteten und (zumindest bei mir) erste Alterserscheinungen aufweisenden Körper wieder in Schwung zu bringen, wozu sich ein lokales Mountainbike-Rennen aus der Kategorie „Rund um die Mülltonne“ im West-Coast-National-Park anbietet. Der eine oder andere wird sich vielleicht noch daran erinnern: als Laura dort letztes Jahr teilnahm, lief dieses unter der Kategorie „very little sand“. Dieses mal können wir sogar beide am Start Aufstellung nehmen, da mit Lauras Schwester und ihrem Freund praktischerweise eine temporäre Kinderbetreuung zur Verfügung steht. Da wir beide keine Mitglieder der hiesigen Mountainbiker-Sekte sind, müssen wir uns allerdings aus dem sechsten und letzten Startblock rund zwölf Minuten nach den ersten Startern auf die Strecke begeben. Uns stört das wenig, da es ja wie bereits angedeutet nur darum geht, die Körper aus dem Tiefschlaf zu wecken (sowie uns zwei bis drei Stunden kinderfrei zu ergaunern). Nachdem wir die ersten Kilometer gemeinsam absolviert haben, verabschiede ich mich nach vorn und führe mein persönliches Einzelzeitfahren durch. Offenbar kann ich dies auch in desolatem Trainingszustand noch ganz gut, denn es stellt sich im Nachgang heraus, dass ich die Strecke vier Minuten schneller als die erste Gruppe aus dem ersten Startblock zurückgelegt habe. Aufgrund der durchgeführten Nettozeitnahme befördert mich dies gemäß dem Reglement auf den ersten Platz … so jedenfalls meine Interpretation. Die Realität sieht allerdings so aus, dass ich mit der Begründung einer „impossible performance“ knallhart vom Zeitnehmer disqualifiziert werde. Dies wiederum geht mir dann bei allem Fatalismus so gegen den Strich, dass ich als „Beweis“ meine GPS-Daten zur Verfügung stelle. Im Resultat erhalte ich nach einigem E-Mail-Hin-und-Her einen netten Anruf, dass meine Leistung immer noch als „impossible“ eingeschätzt werde. Nach 15-minütiger Diskussion – der Begriff Argumentation verbietet sich – reißt mir die Hutschnur. Soweit ich mich erinnern kann, schreie ich zum ersten Mal in meinem Leben in einen Telefonhörer und teile der Dame am anderen Ende mit, dass sie doch machen solle was sie für richtig halte und lege anschließend auf. Unter Einbeziehung meiner genetisch bedingten Sprachlautstärke, könnte ich mir vorstellen, dass der Lautsprecher am anderen Ende dabei geringfügig übersteuert … in jedem Fall bin ich hier im Fatalisten-Test mit Note sechs durchgefallen. Zu meiner Rechtfertigung will ich aber noch anführen, dass es die Dame geschafft hat, in punkto scharfsinniger Argumentationsführung die gute Frau von Mobilcom-Debitel zu schlagen, die mir vor Jahren mal voller Überzeugung die mathematische Relation 39,90<29,90 näher bringen wollte. Selbstverständlich entschuldige ich mich im Nachgang per E-Mail höflich für mein Fehlverhalten und lege meinen Standpunkt noch einmal in allen Einzelheiten dar. Weil ich manchmal ein Ar***loch bin, kann ich es mir jedoch nicht verkneifen, die E-Mail in Kopie an zwei weitere Adressaten zu senden, die sich die Zeitnahme-Firma sicher gern als Kunden erhalten will. Die gewünschte Wirkung tritt dann binnen kürzester Zeit ein … (http://results.racetec.co.za/results_by_event.aspx?RID=10858&EN=Yzerfontein%20Cycle%20Experience%202019%20%2878km%29)

Im weiteren Verlauf des Monats Juni erhalte ich eines schönen Nachmittags auf Arbeit den Anruf, dass gerade ein Lastwagenfahrer das Brems- und Gaspedal verwechselt habe und infolgedessen seinen LKW mit der Mauer des von uns bewohnten Grundstücks verheiratet habe. Als ich nach Hause komme, kann ich nur noch die Diagnose „Totalschaden“ zur Kenntnis nehmen – und zwar nicht am Laster, sondern an der Mauer und dem Tor. Hier kann nur noch ein kompletter Abriss und Neuaufbau helfen. Glücklicherweise sind die Vermieter versichert, denn auf Haftpflicht und dergleichen kann man hier ja nicht hoffen. Selbstverständlich wird im Folgenden eine mehrfache umfangreiche Begutachtung des Offensichtlichen nötig. Letztlich gelangt auch die Versicherung zu der bahnbrechenden Erkenntnis, dass hier nicht zu kitten ist. Damit ist die Bahn frei für einen Trupp von rund zehn Bauarbeitern, der die Mauer per feinster Handarbeit endgültig dem Erdboden gleich macht. Arbeitskraft kostet in Südafrika praktisch nichts und niemand würde auf die Idee kommen, hierzu maschinelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der sich im Anschluss bietende Anblick verursacht allerdings selbst bei eingefleischten Kapstädtern Bluthochdruck, Schwindel und Herzrasen. Denn: Wir haben nun keine Mauer und kein Tor mehr; und dies wiederum ist in den Köpfen vieler unausweichlich damit gleichzusetzen, dass man ausgeraubt werden wird. Auch wenn die Lage sicher suboptimal ist, scheint die Prognose dann doch nicht ganz so düster zu sein, denn wir sind nun mittlerweile schon seit zwei Wochen ohne Mauer und haben bisher keine Unregelmäßigkeiten feststellen können. Die typische südafrikanische Arbeitsgeschwindigkeit lässt sich auch durch das in den Ring werfen von viel Personal nur bedingt kompensieren und so zieht sich der Wiederaufbau hin. Bei einer Arbeitszeit von zehn bis drei bleibt zwischen dem Anmischen des Betons, was selbstverständlich per Schaufel auf dem Boden geschieht, und dem Räumen der Baustelle nur Zeit für das Setzen von einer Handvoll von Ziegelsteinen … ich hoffe, dass ich im nächsten Blog die Vollendung des Jahrhundert-Bauwerks bekanntgeben kann ohne dabei doch noch den Verlust des Wohnungsinhalts konstatieren zu müssen.

Nach dem Einschlag

Den eigentlichen Höhepunkt des Monats Juni stellt allerdings die Einreichung unseres Visums-Verlängerungsantrages dar. Im Folgenden werde ich die Geschehnisse stark kürzen und mich nur aufs Wesentlichste beschränken, um den Rahmen nicht vollends zu sprengen. Die beim Antrag lauernden Tücken hatte ich im letzten Blog schon angedeutet, allerdings kommt es ja meistens anders (und vor allem schlimmer) als man denkt. Zunächst einmal muss man sagen, dass auf den ersten Blick die Situation übersichtlich erscheint. Die Antragseinreichungsprozedur ist in Südafrika, wie in vielen anderen Ländern der Welt auch, zum internationalen Dienstleister VFS Global ausgelagert. Letzterer verdient sich mit dem Entgegennehmen und Weiterleiten von Visumsanträgen (die Begutachtung wird natürlich immer noch vom Department of Home Affairs durchgeführt) eine goldene Nase. Für uns werden nur für die Einreichung beispielsweise um die 500 Euro Gebühr fällig. Im Verlaufe eines der Antragseinreichung vorgeschalteten Online-Prozesses bekommen wir eine Checklist, die Auskunft über die benötigten Dokumente gibt. Letztere hängt auch als Anhang dem Immigration Act an und macht daher zunächst einen vertrauenswürdigen Eindruck. Bei näherer Betrachtung ist die Sache aber doch komplex, da die Liste mehr oder weniger lediglich Auskunft über allgemeine Anforderungen gibt. Dass man beispielsweise „ausreichende finanzielle Mittel“ durch originale, mit Bankstempel und Unterschrift versehene Kontoauszüge der letzten drei Monate, welche am Ende des Tages einen durch den Minister festgelegten Betrag x ausweisen müssen, nachweist, muss man schon durch Eigenrecherche herausfinden. Da es im Internet nur bedingt zuverlässige Informationen gibt und das Department of Home Affairs in steter Regelmäßigkeit die Details der Verwaltungsvorschriften ändert, ist dies äußerst mühsam. Abhilfe kann hier das Hinzuziehen einer Consulting-Firma schaffen. Diese Firmen verdienen sich wiederum eine goldene Nase durch das Zur-Verfügung-Stellen von eindeutigeren Informationen. Den Aufwand, die Dokumente herbeizuschaffen, hat man dann selbstredend immer noch. Man erkläre beispielsweise mal einer deutschen Bank, dass man auf jeder Seite gestempelte und unterschriebene Kontoauszüge braucht und versuche dann, diese in endlicher Zeit auf dem Postweg nach Südafrika zu befördern (um Letzteres zum Erfolg zu führen, muss man dafür Sorge tragen, dass die südafrikanische Post nirgends ihre Finger im Spiel hat). Dennoch lasse ich mir ein Angebot von einer Consulting-Firma machen, kollabiere aber beinahe bei Anblick des Kostenvoranschlages. Also wird entschieden, den Vorgang in Eigenregie durchzuziehen. Bei der Erstbeantragung des Visums hat das ja auch schon funktioniert. Nachdem wir schließlich der Meinung sind, alle unsere Unterlagen zusammen zu haben, geht es zu VFS Global. Auf der Fahrt dorthin stellen wir zunächst fest, dass wir zwar viel Papier, aber weder Windeln noch Feuchttücher für Klara dabei haben. Zum Glück sind wir pünktlich, sodass wir noch fix welche kaufen können … denken wir jedenfalls. Dabei haben wir die Rechnung ohne die südafrikanischen Banken gemacht. Denn beim Kreditkartensystem braten diese ihr eigenes Würstchen, was dazu führt, dass hin und wieder keine ausländischen Karten akzeptiert werden, ganz wie man es sich von einem internationalen Zahlungsmittel erwartet. Damit stehen wir etwas dumm an der Kasse, während sich hinter uns eine Schlange bildet. Glücklicherweise findet sich in den Tiefen der Ablagen unseres schwedischen Pflegekinds noch eine kleine Menge Bargeld, mit der sich das Dilemma letztendlich auflösen lässt. Schließlich bei VFS angekommen, äußert Klara eindeutig ihre Meinung zu dem Laden: Diagnose „Sch*** des Jahres“. Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln haben wir im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, die Situation unter Kontrolle zu bringen ohne den gesamten Wartebereich zu kontaminieren. Nachdem diese Klippe umschifft ist, darf ich zur Einreichung schreiten. Zunächst wird mir klar gemacht, dass ich ja wohl einen an der Waffel habe, handschriftlich Ergänzungen auf südafrikanischen Formularen vorzunehmen. Tatsächlich hatte ich mir erlaubt, eine Fußnote im Visumsantragsformular zu machen. Nicht weil mir einfach mal danach war, sondern weil ich Konsistenz mit dem Satz herstellen wollte, der da sinngemäß lautet „Ich erkläre hiermit, dass alle Angaben richtig sind“. Dabei hatte ich ganz vergessen, dass die Formulare hierzulande per Definition fehlerfrei sind. Wie dem auch sei, das Verhältnis zwischen mir und der Frau am Schalter ist von da an nachhaltig gestört. Als nächstes erklärt sie mir, dass jede Menge Dokumente fehlen würden. Hierauf kann ich nur (mit finsterer Miene) entgegnen, dass ich penibelst die Checklist abgearbeitet habe, die mir von VFS zur Verfügung gestellt wurde. Daraufhin stellt sie sich tot. Glücklicherweise redet sie noch von Frau zu Frau mit Laura. Schließlich wird der Manager der Filiale herangeholt, der uns nach einer eingehenden Untersuchung bekannt gibt, dass wir aufgrund eines Fehlers im Computersystem von VFS die falsche Checklist bekommen haben. Dies ist etwas merkwürdig, denn die Checklist hängt wie schon gesagt eins zu eins dem Immigration Act an. Es nützt aber alles nichts, denn im Immigration Act steht auch, dass das Department of Home Affairs berechtigt ist, alle erdenklichen Unterlagen anzufordern, nach denen ihm der Sinn steht. Entsprechend stehen wir jetzt mit der Checklist v2.0 da, welche mich dem Nervenzusammenbruch nahe bringt. Da das Department of Home Affairs offenbar nicht in der Lage ist, unsere Anträge gesammelt zu begutachten (ich sehe es schon kommen, dass wir alle Visa kriegen, während Klara ohne da steht), werde ich in den folgenden Tagen unter anderem ca. 100 Seiten Kopien bei der Polizei beglaubigen lassen. Letzterer Vorgang wäre schon einen eigenen Blog wert, aber ich will jetzt endlich zum Schluss kommen. Schließlich reichen wir am nachfolgenden Donnerstag in einem zweiten Versuch unsere Anträge ein. Nach einem zweistündigen Prozedere verlassen wir die VFS-Sauna infolge einer offensichtlichen Fehlregulierung der dortigen Klimaanlage mit hochroten Köpfen. Immerhin sind wir dabei ruhig geblieben und haben damit den Fatalisten-Test endgültig bestanden …

Vor dem ersten Besuch bei VFS
Vor dem zweiten Besuch bei VFS

Gegen die Kälte

Sonntag, 26. Mai 2019

Winterstarre

Kaum zu glauben, dass der letzte Eintrag hier schon zwei oder drei Monate her sein soll (je nachdem ob man den Cape-Epic-Blog mitzählt oder nicht). Aber insgesamt haben wir es auch ruhiger angehen lassen und insofern gab und gibt es nicht viel zu schreiben. Keine größeren Experimente und auch keine Rennen … Winterpause muss sein! Wobei „Winterstarre“ vielleicht der treffendere Begriff wäre, wenn ich das Gefühl in meinen Fingern beim Tippen auf der Tastatur heranziehe. Auch wenn es wenig verständlich erscheinen mag, aber so viel wie diesen Winter haben wir noch nie geklappert. Einfache Ziegelwände, Einfachverglasung sowie hochgradig durchlässige Türen und Fenster tun ihr Übriges. Mein g(Armin) vermeldete mir heute morgen beim Aufbruch zur vormittäglichen Trainingsrunde entsprechend eine Temperatur im Haus von 12 °C. Da hilft selbst der berühmte Sarrazin‘sche Pullover auf Dauer nichts mehr – vor allem wenn man aus dem südafrikanischen Sommer kommt. Die Europäer erkennt man jetzt jedenfalls hier alle an der Jacke, weil die Südafrikaner abgehärtet sind und in weiten Teilen immer noch in der Ganzjahresbekleidung T-Shirt und kurze Hose rumlaufen. Aber genug rumgejammert. Nachdem ich eine knappe Tonne Feuerholz (für umgerechnet 100 Euro) geordert habe, können wir uns und die Kapstädter Luft immerhin abends mittels Kamin aufwärmen.

Wie schon angedeutet, gibt es sonst nicht furchtbar viel Neues zu berichten. Laura kämpft mit ihrer Dissertation und ich mit meinem Projekt. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber es ernährt sich (keine Ahnung woher der Spruch kommt – bei den Eichhörnchen bei uns im Garten sieht das nicht so mühsam aus wenn sie die Eicheln von der Korkeiche fressen und uns mit den Überresten davon bewerfen).

Mein Kahnbein hat sich bisher besser benommen als vorhergesagt und seit dieser Woche bin ich wieder ohne Schiene unterwegs. Alles noch ein bisschen unflexibel das Ganze … aber wenn Klärchen noch dreimal drauf springt, läuft der Laden wieder.

Das Englisch der (beiden größeren) Kinder entwickelt sich so langsam in die Richtung, dass sie über uns lästern können, ohne dass wir es verstehen würden. Sie weisen uns mittlerweile regelmäßig auf inkorrekte Aussprache hin. Während die gute Siri beispielsweise Pauls englische Aussprache einwandfrei versteht, sieht es bei uns trübe aus. Paul: „Siri, spiele Santa Shark von Super Simple Songs!“ - Siri: „Ich spiele Santa Shark von Super Simple Songs.“. Dasselbe bei uns: „ Siri, spiele Santa Shark von Super Simple Songs!“ - Siri: „Ich weiß nicht, was Du mit Centre Shock meinst.“. Soviel dazu.

Das kleinere Kind hatte mit der Metamorphose zum Monodentus (mittlerweile Duodentus) arg zu kämpfen und hält uns auch sonst gut mit Stunts und anderen Eskapaden in Atem. Wie kann man nur auf die Idee kommen, dass ein Kartoffelbovist eine Babymahlzeit wäre?

Den Familienlacher des Jahres, oder vermutlich sogar des Jahrzehnts, habe ich letzte Woche abgedrückt: Will ich doch in einem Uni-Gebäude (in dem ich vorher noch nicht war) auf eine Außenterrasse rausgehen. Ich bleibe kurz vorher noch stehen und wundere mich über den riesengroßen Durchgang. Dann entscheide ich mich aber doch, dass da bloß Luft ist und laufe selbstbewusst los. Es ist natürlich klar, was passiert. Es rummst. Plexiglasscheibe … wie ein Vogel gegen den Wintergarten. Um ein Haar wäre ich zusammen gesackt. Resultat: Viele belustigte Leute, Beule wie beim Baby und eine Woche Kopfschmerzen. Die Fensterputzer haben jedenfalls ihren Job gemacht.

Der Elch sorgt in gewohnter Weise immer mal wieder für Automechaniker-Einsätze. Kabelbinder und Duct/duck-tape sind hier meine besten Freunde.  Wir lassen einfach die Bilder sprechen:



Desweiteren haben wir beschlossen, ein halbes Jahr länger als ursprünglich geplant auf der Südhalbkugel zu verweilen, falls es uns gelingt, die südafrikanische Bürokratie zu besiegen. Den Immigration Act mit all seinen Visumsbestimmungen kenne ich mittlerweile in- und auswendig. Das heißt allerdings nicht, dass ich ihn verstehen würde. Ursprünglich hatte ich es auf mangelnde Kenntnisse in Gesetzes-Englisch geschoben; mittlerweile weiß ich, dass sich Heerscharen von Juristen die Köpfe darüber zerbrechen, wie dieses Unding zu verstehen ist. Offensichtliche Logikfehler, Querverweise zu nicht existierenden Paragraphen, nicht verfassungskonforme Absätze und dazu noch dutzende Verwaltungsvorschriften, die mitunter fix mal den Gesetzestext auf den Kopf stellen. Nächste Woche gehen wir erstmal Thoraxröntgen. Ich frage mich, warum das nicht für alle Südafrikaner einmal im Jahr Pflicht ist. Aber wie dem auch sei, irgendwie werden wir die Visumsverlängerung schon über die Bühne kriegen und dann gibt es sicher noch die Gelegenheit für den einen oder anderen interessanteren Blog als den heutigen ...

Stormers vs. Crusaders ... das Stadion ist fast vor unserer Hautür.
Auch die gibt's hier
Unsere Wandergeschwindigkeit verhält sich proportional zur Schwierigkeit des Geländes (!)
Das ganze Meer voller Cape Fur Seals ... man muss sie nur finden
Sensationelle drei Granatäpfel hat der Granatapfelbaum in unserem Garten bisher produziert. Sie schmecken gut, aber effizient ist das nicht, was der Baum da tut.
Paviane (=Biester)
  

Sonnenaufgang über den Dächern von Cape Town

Wenn es hier alles soviel gäbe wie Proteas ...

Emil wird vier

Sonntag, 17. Februar 2019

Abenteuer-Experiment #2

Wie mittlerweile üblich beginnt auch dieser Blog mit den neuesten Nachrichten bzgl. unseres schwedischen Familienmitglieds. Die Sache mit der Hinterradaufhängung haben wir vorerst nicht weiter verfolgt und unsere Fahrweise einfach angepasst. Bei uns würden wir damit in die Kategorie „Graukappen“ eingeordnet werden. In Südafrika ist es allerdings nichts Ungewöhnliches, wenn einer sein Auto sehr vorsichtig bewegt. Schließlich gibt es hier genügend Leute, deren fahrbarer Untersatz kurz davor ist die Hufe hochzureißen. Aber auch mit gemäßigter Fahrweise ist man vor Überraschungen nicht sicher. So versenkt Laura am vergangenen Freitag beim Versuch das Parkhaus zu verlassen die Fensterscheibe der Fahrertür  unwiederbringlich in derselbigen. Mit offenem Fenster würde ich mein Auto selbst in Dresden ungern stehen lassen und hier in Kapstadt natürlich gleich gar nicht. Es hilft nichts – ich als alter Simulant muss unter die Automechaniker gehen. Es wird die Fahrertür entkernt, um zunächst festzustellen, dass sich die Fensterscheibe unerlaubterweise vom Fensterhebemechanismus gelöst hat. Das macht die Symptomatik des verschwundenen Fensters einigermaßen verständlich. Die Führung des Fensters baumelt willenlos im Inneren der Tür herum, wofür wiederum ein einziger gebrochener Niet verantwortlich ist. Es hat sich vermutlich noch nicht bis Schweden herumgesprochen, dass statisch bestimmte Konstruktionen nicht unbedingt in die Kategorie „fail safe“ fallen. Zum Glück sind beim Aufbau von Melissa & Doug‘s Kiddie‘s Kitchen noch ein paar Schrauben und Muttern übrig geblieben, mit denen sich das beheben lässt -  mit zweifelsohne besseren Festigkeitseigenschaften als vorher. Dummerweise stellt sich im weiteren Verlauf der Reparaturmaßnahme heraus, dass weiterhin – ob nun als Ursache oder Wirkung sei dahingestellt – eine entscheidende Nase an einem 2-Euro-Kunststoffteil irreparabel abgebrochen ist. Wenn man einen 3D-Drucker und einen Zeitüberschuss hätte, ließe sich da vielleicht etwas machen. Leider ist weder das eine noch das andere der Fall. Immerhin gelingt es, das Fenster im geschlossenen Zustand wieder einzusetzen. Bis ein Ersatzteil da ist, wird nun Paul, der hinten rechts sitzt, an den Mautstellen bezahlen müssen …

Vom Simulanten zum KFZ-Mechaniker
Die vergangene Woche verlief in ganz Kapstadt leicht chaotisch. Ursache dafür war, dass „Mr. President“ Ramaphosa in einer Ansprache an die Nation die Aufteilung des südafrikanischen Elektrizitätslieferanten ESKOM in die Sparten „generation“, „transmission“ und „distribution“ angekündigt hat. Dazu muss man wissen, dass ESKOM noch vor nicht allzu langer Zeit internationale Spitze in Sachen effiziente Stromerzeugung aus Kohle war. Der Konzern wurde in den letzten Jahren aber durch Missmanagement zu einem „korrupten Haufen, die Knöpfe drücken ohne zu wissen was sie tun“ heruntergewirtschaftet, wie es ein befreundeter Südafrikaner ausdrückte. Im Kern scheint an der Aussage was dran zu sein. Symbolisch für den Zustand des Konzerns stehen die beiden Mega-Kohle-Kraftwerke bzw. Mega-Kohle-Kraftwerks-Projekte Medupi und Kusile, die nach Fertigstellung zehn Gigawatt zur Verfügung stellen sollten. Sollten, wohlgemerkt. Denn offenbar haben alle internationalen Planer die Hände in Anbetracht der Dimension der Projekte gehoben, weshalb ESKOM Planung und Bau halt selbst in die Hand genommen hat. Der gegenwärtige Zustand lässt sich in die Kategorie Flughafen BER einordnen. Abreißen und vergessen wäre gewiss das wirtschaftlichste Vorgehen. In Anbetracht dieser Tatsachen scheint eine Neustrukturierung des Konzerns durchaus Sinn zu machen. Selbstredend gefällt das der Arbeitervertretung von ESKOM aber nicht so recht. Und so muss es einen auch nicht wundern, dass drei Tage nach der Ansprache – natürlich rein zufällig – sieben „load generating units“, die zusammen wohl vier Gigawatt Leistung ausmachen, ihren Dienst versagen. Die Folge sind dauernde Stromabschaltungen, die zwischenzeitlich zu heillosem Chaos führen. Da gehen dann in der rush hour, die in Kapstadt sowieso schon übel ist, eben mal in einem ganzen Stadteil alle Ampeln aus. Natürlich ziehen die plötzlichen Stromausfälle allerlei Überraschungen nach sich. Beispielsweise wird das elektronische Zugangssystem an der Universität für einen Tag teilweise lahm gelegt und wir stehen vor der Tür. Hoch lebe der mechanische Schlüssel! Ähnlich sieht es vielerorts aus. Das wirtschaftliche Ausmaß des Schadens will ich gar nicht wissen ...

Und dann war da ja noch das angekündigte Abenteuer-Experiment #2. Laura und ich wollen ja, wie schon mal erwähnt, im März gemeinsam beim Cape-Epic im Mixed-Team starten. 2014 hatten wir das schon mal vor, aber da hatten wir die Rechnung ohne den mittlerweile gar nicht mehr so kleinen Paul gemacht. Fakt ist, dass unser letztes und bisher einziges gemeinsames Etappenrennen mehr als sechs Jahre zurück liegt bzw. lag und wir es daher für vernünftig hielten, im kleineren Maßstab zu testen, ob wir uns noch gemeinsam vertragen. Die Wahl fiel auf das viertägige Tankwa Trek, welches auch ein Großteil der Elite als Vorbereitung auf das Cape-Epic fährt. So sollte es vom 7.-11.2. in die Nähe des nur zwei Autostunden von Kapstadt entfernten Ceres gehen. Die Organisation der Maßnahme gestaltete sich freilich etwas komplizierter als bei Abenteuer-Experiment #1. Über den Veranstalter können wir schließlich ein Wohnmobil organisieren. Für die Kinderbetreuung während des Rennens nehmen wir in bewährter Manier Constance mit. Insgesamt verläuft die Anreise erfreulich unauffällig, mit Ausnahme der Tatsache, dass der halben Mannschaft im hinteren Teil des Wohnmobils schlecht wird. Vor Ort angekommen, müssen wir allerdings feststellen, dass sich Paul ohne Schuhe ins Wohnmobil gemogelt hat. Ersatz haben wir auch nicht mit. Das ist zum ersten ungünstig, weil die Außentemperatur über 40 °C beträgt und barfuß auf Sandboden da nicht mehr so gut ist. Zum zweiten ist alles voller Dornen, was ebenfalls barfuß nicht optimal ist. Zum Glück gibt‘s Du(ct/k) Tape. Mit diesem kann zum Beispiel der abgefahrene Außenspiegel des T5 unseres Nachbarn auf dem Caravan-Stellplatz wieder fest mit dem Auto verbunden werden. Und man kann daraus in Kombination mit Pappkarton und einer alten Lumpendecke eben auch hervorragend Schuhe bauen. Die einzigen verbesserungswürdigen Punkte der Schuhe sind die Atmungsaktivität sowie die Tatsache, dass die Du(ct/k)-Verschlüsse mehr oder weniger Wegwerfartikel sind und vor jedem Anziehen der Schuhe ersetzt werden müssen. Der Prolog startet dann am späten Nachmittag bei offiziell 42 °C Außentemperatur und während des Prologs werden wir die 45 °C erreichen; und Schatten ist nicht. Das Eierphone meldet nur noch, dass es Abkühlen müsse, um wieder benutzt werden zu können. Als halbes Reptil kann ich mit den Bedingungen ganz gut umgehen, wenngleich es in den Radschuhen am Start dann doch ganz schön heiß wird. Für Säuge-Laura sieht das allerdings anders aus. Ihre Bedingungen sind eher 8 °C und Nieselregen. In der Folge müssen wir den Prolog im Standgas absolvieren. Trotzdem werden wir solide Zweite in der Mixed-Kategorie. Die Bedingungen sind eben für alle eine Herausforderung. Dass hinsichtlich Platz eins nicht viel gehen wird, hatten wir schon vorher geahnt und dies bestätigt sich jetzt. Gegen Yolande de Villiers und Charles McFall sind wir chancenlos. Beim Cape-Epic werden wir die beiden allerdings nicht sehen, da die gute Yolande wegen ihrer Dopingvergehen dort lebenslang gesperrt ist. Auf der Suche nach einem Mixed-Partner wurde sie offensichtlich bei Charles McFall fündig, dem wiederum seine Mixed-Partnerin Carmen Buchacher abhanden gekommen ist, da sie ihrerseits gerade eine zweijährige Sperre absitzen muss … was für ein Sumpf. Letzteres soll allerdings nicht heißen, dass es in Deutschland besser aussieht (für die Insider: die nächste Bombe ist im MTB-Sport de fakto schon detoniert, wurde aber von allen Beteiligten so gut in Stroh verpackt, dass bisher kaum jemand etwas mitbekommen hat). Am Abend nach dem Prolog müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Klimaanlage des Wohnmobils defekt ist. Damit scheidet es als Übernachtungsort aus. Zum Glück haben wir vorgesorgt und das Zelt mitgebracht. In diesem werden wir die folgenden Tage in der dichtesten Kugelpackung übernachten. Gut, dass wir ein Wohnmobil für sechs Personen haben. Die drei Etappen nach dem Prolog gestalten sich wettertechnisch etwas angenehmer, da der Start früh 6:30 Uhr erfolgt. Trotzdem wird es natürlich noch heiß gegen Ende der Etappen, aber es lässt sich aushalten. Strecke und Landschaft sind großartig und wir harmonieren von Tag zu Tag besser. Unter anderem bezwingen wir das „Merino Monster“, welches als schlimmster Anstieg Südafrikas gehandelt wird, sich aber dann als nicht so schlimm wie befürchtet entpuppt. Ergebnismäßig ist es etwas langweilig, denn wir werden jeden Tag Zweite, was am Ende auch unserem Gesamtrang in der Mixed-Kategorie entspricht. Die Tatsache, dass wir in der Gesamtwertung vor dem ersten Damen-Elite-Team landen, ist aber durchaus erfreulich. Den Kindern gefällt der Camping-Urlaub so gut, dass sie am Ende gar nicht wieder abreisen wollen; und Klara scheint zum Glück ein bisschen Reptil von mir mitbekommen zu haben. Insgesamt können wir Abenteuer-Experiment #2 also als erfolgreich deklarieren. Lediglich Constance wird nach den vier Tagen mit uns sicher froh sein, wieder ihre Ruhe zu haben ...

Das Wohnmobil findet geradeso Platz in unserer Einfahrt.

Vom KFZ-Mechaniker zum Schuhmacher ...

Ein Teil unseres Lagers (die Kinder dürfen bei diesen Temperaturen ganz ausnahmsweise trotz Wasserknappheit ins Planschbecken)

Bei den Rennen in Südafrika wird meist auch an die Kinder gedacht :)
Vom Schuhmacher zum Ochsen, mal sehen, was noch so kommt ...
Ausnahmsweise darf ich bergab auch mal vorne fahren ...

... normalerweise darf ich nämlich bergab nur hinterher, weil ich vorne wahlweise zu schnell oder zu langsam fahre.
Geschafft!

Dienstag, 29. Januar 2019

Höre auf Deinen Großvater!

Es ist mal wieder an der Zeit für eine Statusmeldung. Beginnen wir zunächst beim Elch. Bei der Rückfahrt aus dem Jahresendurlaub beginnt dieser des öfteren bei Bodenwellen hinten durchzuschlagen, was eine angepasste Fahrweise erfordert. Auch legt sich der Wagen hinten zunehmend selbst tiefer. Zum Glück haben wir ja nicht das halbe Fahrwerk beim Kauf erneuern lassen.  Mit unserer Fahrweise sollte das alles auch nicht wirklich etwas zu tun haben. Im Vergleich zu dem, was die Elche in ihrem Herkunftsland auf den dortigen Schotterpisten aushalten müssen, hat unserer nämlich ein eher ruhiges Leben. In der Werkstatt erklärt man uns später, dass die Federn sich hinten verkürzt haben und das eben manchmal vorkommt. Man will sie irgendwohin schicken, wo die Federn wieder länger gezogen werden. Ich habe ja schon mal erwähnt, dass hier  repariert wird, was zu reparieren geht. In diesem Fall erscheint es mir dann doch etwas fragwürdig, weshalb man so ein paar dumme Federn nicht einfach tauscht. Der Fisch stinkt nach Vetternwirtschaft, aber was soll‘s – in blindem Gehorsam wird der Reparaturmaßnahme zugestimmt. Mein Hirn fängt erst später an, vernünftig zu arbeiten. Warum werden die Federn kürzer? Vermutlich weil die Karre durchschlägt. Wir betreiben hier also wahrscheinlich Symptombehandlung auf allerhöchstem Niveau. Mein Verdacht bestätigt sich auf der ersten Fahrt nach der Reparatur. Der Elch liegt hinten wieder höher, aber schlägt immer noch durch. Laut Rechnung wurden uns beim Kauf die korrekten Dämpfer eingebaut. Dass diese neu waren bezweifle ich allerdings mittlerweile … Fakt ist, dass wir mit der jetzigen Werkstatt wohl nicht weiterkommen werden … es bleibt diesbezüglich spannend.

Nach dem Jahreswechsel sind Mutter und Großvater zu Besuch und unser Haus beherbergt damit vier Generationen. Da ich natürlich auch mal etwas Nützliches (Arbeiten) tun muss, unternimmt Laura mit dem Rest Tagesausflüge. Das ist auch gut so, denn als ich für einen Tag ins Geschehen eingreife, kommt auch Murphy‘s  law mit ins Spiel. Am Vormittag fahre ich mit Laura eine Runde gemeinsam Rad. D. h., genauer gesagt startet sie eher und ich komme später dazu, weil mein Trainer aka mein Bruder mir Ruhe verordnet hat. Am Abend vorher habe ich Laura die Dichtmilch im Vorderrad wieder aufgefüllt, da diese fast alle war. Als ich zu Laura stoße, hat sie beinahe Platten und ist ohne Pumpe und Schlauch unterwegs (O-Ton Laura: „Ich hatte im Training noch nie Platten“). Den Dichtmilchsee unterm Vorderrad hat sie am frühen morgen (Trainingsbeginn Punkt 5:30 Uhr) geflissentlich ignoriert, weil sie mich wohl nicht wecken wollte. Wie der See entstehen konnte, erfordert später eine kriminalistische Aufklärung. Im Kern fördert diese zutage, dass man die Physik niemals unterschätzen und einen neu befüllten Reifen – selbst wenn er scheinbar dicht ist – einfach nicht auf ein einigermaßen saugfähiges Tuch stellen sollte. Letztendlich bleibt uns nichts übrig, als MEINEN Ersatzschlauch zu verwenden und mit MEINER Pumpe zu befüllen. Mein Gefühl sagt mir, dass wir nach Hause fahren sollten, um neues Reparaturmaterial zu holen. Ich ignoriere es geflissentlich. Selbstverständlich kommt es wie es kommen muss, und der Reifen ist in maximaler Entfernung von zu Hause wieder platt. Eine Mac Gyver-Reparatur mit einer Banknote scheitert kläglich. Für Laura geht‘s zu Fuß weiter und ich fahre nach Hause, um den immerhin nicht in der Werkstatt befindlichen Elch zu holen und sie damit an der nächstgelegenen Straße abzuholen. Die Tankanzeige des Elchs steht bei 1/4, sodass wenigstens diesbezüglich nichts schief gehen kann. Mein Großvater mahnt zwar schon seit fünf Tagen zum Tanken an; aber wieso soll getankt werden, wenn das Auto noch viertel voll ist. Das Rescue-Manöver gelingt dann auch. Der anschließende gemeinsame Tagesausflug geht auf den Tafelberg und weist zunächst keine Unregelmäßigkeiten auf. Zumindest abgesehen von der Tatsache, dass wir mit sieben Personen im Elch unterwegs sind. Klingt komisch – ist aber so. Ich wäre noch vor kurzem nie auf die Idee gekommen. Aber der Mensch passt sich überraschend schnell den üblichen Gepflogenheiten in seiner Umgebung an. Zugegeben, in Afrika sind sieben Personen in einem PKW mit fünf Plätzen eigentlich lächerlich. Aber mit noch mehr Insassen würden wir vermutlich mit der Hängerkupplung auf dem Boden schleifen (war da nicht was?). Nach dem Tafelbergbesuch wird es etwas spät, sodass wir einen Besuch am Signal Hill streichen. Auf der Heimfahrt geht der Elch plötzlich an einer San-Fransisco-artigen steilen Straße einfach aus (und nicht wieder an) - mitten im Kapstädter Stadtverkehr. Aufgrund einer direkt neben uns befindlichen Verkehrsinsel blockieren wir sehr wirksam die Straße und es ist klar, dass wir den Elch hier schleunigst wegbewegen sollten. Safety-first entladen wir erstmal sechs Personen. Gemäß dem Motto „Vorwärts nimmer, rückwärts immer“ ist der einzige einigermaßen plausible Weg aus dem Getümmel rückwärts quer über die Straße in eine Einbahnstraße. Dass gravitationsgestützte Harakiri-Manöver mit stark nachlassendem Bremskraftverstärker und ohne Servolenkung gelingt; als Sahnehäubchen sogar mit führerscheinprüfungstauglichem Seitwärtseinparken in (notwendigerweise) einem Zug in eine wie durch ein Wunder vorhandene Parklücke. Da der Tank ja wie schon erwähnt 1/4 voll ist, scheidet Tank leer eigentlich aus. Trotzdem ist Benzin nachfüllen natürlich die erste Maßnahme. Man weiß ja nie. Murphy meint es in diesem Zusammenhang auch gut mit uns und wir parken 100 Meter vor der Tankstelle. Ein gewisser Theo geht uns sehr dienstbeflissen zur Hand (er will dafür natürlich auch gut bezahlt werden). Machen wir es kurz: Benzin rein, Motor wieder an, so einfach ist das. Dann geht‘s schnell an die Tanke, wo wir mehr Tanken als in den Wagen eigentlich reinpassen sollte. Laura gibt zu Protokoll, dass sich die Tanknadel schon die ganzen letzten Tage kaum bewegt habe und sie schon über den geringen Spritverbrauch erstaunt gewesen sei. Es hat also offenbar die Tankanzeige den Geist aufgegeben. Die Moral von der Geschicht: Höre auf deinen Großvater! In Zukunft wird alle 500 Kilometer getankt. Sicher ist sicher.

Tafelberg - diesmal ganz oben (hier sind Lion's Head und Signal Hill gegenüber noch grün - seit sie vorgestern in Flammen standen sind sie jetzt eher schwarz).
Nun, was gibt‘s sonst noch zu berichten? Die Ferien der Kinder sind beendet (der Kindergarten bzw. die Vorschule hält sich an die Schulferien) und damit kehrt wieder etwas mehr Ordnung in den Alltag ein. Paul wurde Anfang Januar fünf und erklärt das auch jeder wildfremden Person wahlweise auf Deutsch oder auf Englisch. Emil ist so verträumt wie sein Vater, der schonmal einen Stuhl anstatt des Kinderfahrrads vor die Tür trägt. Und bei Klara überschlagen sich die Ereignisse. Nachdem wir ihr schon eine motorische Entwicklungsverzögerung diagnostizieren wollten, legt sie jetzt von einem Tag auf den anderen doppelt und dreifach los. Brei war gestern und sie besteht jetzt auf ihr Früstücksbrötchen – mit sieben Monaten! Das kann noch heiter werden ...
Kindergarten

Baby trainiert für Olympia

Radfahrtechnisch stand am vorletzten Wochenende die erste ernstzunehmende Härteprüfung für Mensch und Material an: Das sogenannte Attakwas, seines Zeichens der einzige Eintages-MTB-Marathon hierzulande mit UCI-Status. Da wir gerne die einmalige Chance nutzen und beide starten wollen, entscheiden wir uns, das ganze zum Abenteuer-Experiment zu machen. So geht es am vorletzten Freitag ins reichlich 400 km entfernte Oudtshoorn. Mit an Bord haben wir unsere Haushaltshilfe Constance als Kinderbetreuung. Wir haben sie auf Bitten unserer Vermieter bei uns teilzeitangestellt, da sie durch deren Umzug in die Niederlande quasi ihren Job verloren hatte. Die Tatsache, dass der Start des Attakwas 400 Kilometer von Kapstadt entfernt ist und das Ziel seinerseits 100 Kilometer vom Start, macht die Planung etwas ansruchsvoller. Im Groben sieht der Plan so aus: (1) Freitagnachmittag zum Start nach Oudtshoorn Startunterlagen holen; (2) anschließend zum Ziel nach Kleinbrakriver fahren, wo sich unsere Unterkunft für die Nacht befindet; (3) Samstagmorgen 4:30 Uhr vor dem Aufstehen Abfahrt gen Oudtshoorn zum Start; (4) in Oudtshoorn das Auto dem Fahrservice (eine in Deutschland schon aus versicherungstechnischen Gründen undenkbare Sache) übergeben, welcher es zum Ziel befördern soll; (5) 6:30 Uhr scharfer Start; (6) möglichst schnell ins Ziel kommen; (7) Auto entgegennehmen; (8) Kinder und Constance hoffentlich wohlauf in der Unterkunft abholen; (9) zurück nach Kapstadt. (1)-(5) gelingen ohne nennenswerte Vorkommnisse. (6) gelingt dann allerdings nur noch bedingt. Ich für meinen Teil erwische einen hervorragenden Start und bin erstmal in der Spitzengruppe vertreten. Da ich nie am Anschlag unterwegs bin und bei solchen Rennen normalerweise hinten raus der Diesel des alten Mannes zündet, mache ich mir schon Hoffnung, mein bisher bestes UCI-Marathon-Series-Resultat (Platz 6) unterbieten zu können. Aber denkste. Dejavu: Wo der Tank noch wenigstens viertel voll sein sollte, ist er offenbar leer. Tankanzeige defekt. So richtig verstehe ich das nicht; aber manches muss man einfach zur Kenntnis nehmen. So geht es die letzten 50 Kilometer (von 120) mit Standgas dem Ziel entgegen. Tröstlich ist, dass es nahezu allen ehemaligen Mitstreitern aus der Führungsgruppe ähnlich ergeht. Über den Abstand nach hinten bin ich stets bestens von den Begleitmotorrädern informiert, da sich hinter mir der in Deutschland wenig bekannte, aber aufgrund seiner Cape-Epic-Erfolge in Südafrika als lebende legende betrachtete Karl Platt alias „Cawl Plett“ müht. Sein Dampfhammer zum Ende des Rennens bleibt heute aber genauso wie meiner aus, sodass er mich nicht mehr wieder sieht und ich mir den enorm bedeutsamen Titel des besten Deutschen unter den Nagel reise. Am Ende steht Platz 6 zu Buche, was so langsam zu meinem Standardresultat in der Marathon-Series wird. Zu Lauras Rennen gibt es nicht viel zu sagen, denn dieses ist im Wesentlichen eine Kopie des meinigen – mit dem Unterschied, dass ihr Einbruch massiver ausfällt und sie auf Platz 8 nur mit Hängen und Würgen das Ziel erreicht. Punkt (7) scheitert zunächst vollständig, da unser Auto das Ziel noch gar nicht erreicht hat.  Aus unerfindlichen Gründen hat man uns nicht dem Elite-Startblock, sondern Hobby-Startblock-E zugeordnet. Dies bedeutet, dass man für uns mit einer Fahrzeit von größer sieben Stunden gerechnet hat und unser Auto zu den letzten vier Autos zählt, die zum Ziel gefahren werden. Entsprechend kommt es erst mit Verzögerung zur erfolgreichen Abarbeitung der Punkte (8) und (9). Schauen wir mal, was das nächste Abenteuer-Experiment mit sich bringt … mehr dazu im nächsten Blog.
Laura müht sich redlich ...
... und ich mich auch.

Auf Pseudo-Safari im Private Game Reserve ...
Nochmal Pseudo-Safari.

Was man am Strand am Cape of Good Hope eben so findet: Ein Walschädel.
Eine Protea

Klippschliefer gibt's hier zuhauf.
Was passiert, wenn große Kinder Steine im Garten finden ...

Donnerstag, 27. Dezember 2018

We wish you a merry christmas (a bit too late - as always) and a happy new year!


Ja, wir leben noch. Ich hatte in den letzten Wochen schon ein paar mal Anlauf genommen, Blog zu schreiben. Aber irgendwie kam immer etwas dazwischen ... wie zum Beispiel der Versuch, der Frage auf den Grund zu gehen, warum eine meiner zwei (!) Kreditkarten bei Interneteinkäufen nur sporadisch funktioniert. Ich vermute schon seit geraumer Zeit, dass es mit dem Verified-by-Visa-Verfahren zu tun haben muss. Mir wird immer mitgeteilt, dass irgendein Sicherheitscode ins Online-Banking gesendet wurde, welchen ich eingeben soll, um die Zahlung zu autorisieren. Blöd dass im Online-Banking kein Sicherheitscode auftaucht. Eine Tiefenprüfung in den Wirren des Online-Bankings ergibt, dass die Karte gar nicht für das Verified-by-Visa-Verfahren aktiviert ist. Also versuche ich die Aktivierung. Im Rahmen dessen soll ich eine TAN eingeben, die mir auf die TAN-App aufs Eierfon gesendet wurde. Natürlich erhalte ich keine TAN in meiner TAN-App. Der einzige Effekt der Maßnahme ist, dass nun das Online-Banking gesperrt ist und ich eine Nummer in Deutschland anrufen soll, um dies zu beheben. In Anbetracht der Gebühren für Telefonate nach Deutschland und der, wie mir schwant, erheblichen Wartezeit in der Hotline, ist dies nicht gerade erfreulich. Mir kommt der geniale Einfall, Skype hierfür zu benutzen. Dabei lernt der alte Mann weiter viele neue Dinge. Er muss dazu in die durch das Ersetzen von Windows durch Ubuntu eigentlich zu den Akten gelegte wunderbare Micro-Schrott-Welt (wieder)einsteigen. Wundersamerweise funktioniert Skype, obwohl es Microsoft gehört, auch auf Ubuntu und ich habe es dort auch schon länger installiert. Allerdings hält das Microsoft nicht davon ab, einem den Besitz eines Microsoft-Benutzerkontos abzunötigen, um Skype-Guthaben zu kaufen. Nachdem ich mich durch die Registrierungs- und Guthabenkauf-Wirren gekämpft habe, kann ich nun endlich versuchen, die Bank-Hotline kostensparend anzurufen. Hierbei nehme ich wie erwartet zur Kenntnis, dass täglich, unabhängig von der Tages- oder Nachtzeit (zumindest zwischen 6 Uhr und 23:30 Uhr habe ich getestet), „ungewöhnlich viele Anfragen“ eingehen und ich dafür Verständnis haben soll. Nach drei Tagen komme ich endlich durch. Unglücklicherweise versteht mich der Mann am anderen Ende nicht. Nachdem er aufgelegt hat, wird mir klar, dass Ubuntu stillschweigend das Mikrofon für Skype deaktiviert hat (vor Kurzem war das noch nicht der Fall). Das nächste Mal entscheide ich mich für die Option, um einen Rückruf zu bitten – das eigentliche Telefonat wird ja wohl nicht so lange dauern. Die Stimme verspricht mir einen Rückruf binnen einer Stunde. Tatsächlich erhalte ich 12 Stunden später einen Anruf. Leider habe ich gerade in dem Moment keinen guten Empfang und die Dame am anderen Ende keine Ausdauer, sodass das Fünkchen Hoffnung auch gleich wieder erloschen ist. Also geht es wieder von vorne los. Am übernächsten morgen habe ich früh um 6 Uhr Erfolg. Das Entsperren des Kontos geht schnell und ich erfahre, dass die Sperrung erfolgte, weil ich eine TAN nicht benutzt habe. Toll – ich habe ja auch keine erhalten. Aber mir wird jetzt immerhin per Geistesblitz klar warum: Als mein altersschwaches südkoreanisches Fon durch ein mit Payback-Punkten erstandenes Eierfon ersetzt wurde, ging mit diesem auch die TAN-App über den Jordan. Für die Neuinstallation und Aktivierung auf dem Eierfon wurde ein QR-Code benötigt. Da der alte nicht zweimal benutzt werden durfte, nahm ich dann eben den bisher unbenutzten von Laura (wir haben beide gleichermaßen Zugriff auf das Konto). Für Online-Überweisungen funktionierte die TAN-App damit wieder wie gehabt, da in diesem Zusammenhang offenbar die TANs immer an alle Kontoinhaber geschickt werden. Bei kreditkartenbezogenen Dingen ist dies, wie mir nun plötzlich klar wird, nicht der Fall. Ich fürchte schon, dass ich einen neuen QR-Code-Brief an jemanden in Deutschland schicken lassen muss, der mir diesen dann einscannt (direkt nach Südafrika schicken lassen, würde ja mehrere Monate dauern – siehe letzter Blog). Der Hotline-Mitarbeiter kann mich aber beruhigen: Es ist auch möglich, sich einen Aktivierungslink per SMS schicken zu lassen. Also tue ich das. Da nur meine deutsche Telefonnummer hinterlegt ist, landet dieser natürlich auf Lauras uraltem, nicht ganz so smarten Fon, in welches wir meine deutsche SIM-Karte der Erreichbarkeit halber eingelegt haben. Da mir die Aufgabe die >100-stellige Zahlen- und Buchstabenkombination fehlerfrei mit meinen Wurstfingern in den Internetbrowser meines Eierfons einzugeben unlösbar erscheint, tue ich dies eben am PC. Dort erhalte ich die Mitteilung, dass ich die Banking-App (was nicht das gleiche ist wie die TAN-App!) nicht installiert habe. Also geht der Link, den ich gerade eingetippt habe, per E-Mail ans Eierfone und ich installiere die Banking-App. Dies ändert allerdings nichts an der Fehlermeldung beim Anklicken des Links. Mittels weiterem Geistesblitz wird mir klar, dass ich die Banking-App vielleicht mal im Hintergrund starten sollte (von all diesen wichtigen Details steht nirgends etwas). Es fehlt jetzt eigentlich nur noch, dass ich gleich einen auf dem Eierfon angezeigten QR-Code mit ebendiesem selbst einscannen soll. Glücklicherweise tritt dieser Fall nicht ein und es gelingt das schier Unglaubliche und schon nicht mehr für möglich Gehaltene: Ich kann die TAN-App nochmal für mich aktivieren, die Aktivierung des Verified-by-Visa-Verfahrens anfordern, erhalte die dafür benötigte TAN und kann mit Letzterer den Elfmeter sicher verwandeln. Verbunden mit dem Vorgang sind eine Reihe von Fragen: Werde ich die Welt unserer Kinder noch verstehen oder werde ich bald ins Eierfon wie Urgroßmutter in den PC schauen? Bin ich tatsächlich so doof oder geht es wenigstens gelegentlich auch anderen Individuen so wie mir? War die ganze Sache eventuell nur eine unglückliche Verkettung von Umständen? …

So, damit nun zum eigentlichen Blog bzw. zur Abarbeitung der weiteren Geschehnisse der letzten Wochen bzw. Wochenenden. Zunächst fahren wir am zweiten Adventswochenende ins Nichts nach McGregor zum Race2Nowhere. Das Tourismusfaltblatt des Ortes sagt Folgendes: „New visitors always ask, “What is there to do in McGregor?” – Caught by surprise, the locals will look a bit confused and after a while say “Enjoy the quiet, that's why we love it“. Tatsächlich gibt es hier nichts als sehr viele Weinreben – und eben hinreichend viele Pfade zum Wandern oder Mountainbiken. Die Geschichte des Rennens ist schnell erzählt: Ich habe einen einzigen echten Konkurrenten. Er ist bergauf schneller und ich bin schneller bergab, sodass wir uns immer wieder finden. Nach reichlich drei Stunden bekomme ich Krämpfe, die ich mir zunächst einmal nicht erklären kann. Weder bin ich anfällig dafür noch ist es besonders warm. Mit der Devise „schön gleichmäßig weiterfahren und nichts anmerken lassen“ kriege ich die Sache aber einigermaßen in den Griff. Zum Glück geht es die letzten zehn Kilometer auf einem Trail bergab, sodass ich das Rennen dort für mich entscheiden kann. Später gibt es dann die Auflösung für die Krämpfe: Das hier gekaufte (amerikanische) Iso hat sich, trotz sorgfältigen Schüttelns, nicht aufgelöst. Dreckszeug! Ich war also weitestgehend auf Wasser unterwegs (ich freute mich schon über den angenehm neutralen Geschmack ...). Und das ist, soviel habe ich als Abfragsklave für Laura in Biochemie gelernt, ist über eine Renndauer von 4,5 Stunden keine gute Idee. Aber sei‘s drum, es hat ja gereicht.
On the road to nowhere
Seit vergangenem Wochenende sind wir für zwei Wochen im „Urlaub“. Zunächst führte uns dieser zum südlichsten Punkt Afrikas zum Kap Agulhas. Unsere Bleibe inmitten des dortigen Nationalparks relativitierte die Einsamkeit in McGregor deutlich: Ein sehr primitives Häuschen, umzingelt von Ameisen und Schildkröten, versorgt durch eine Solarzelle und ein paar Gasflaschen. Lediglich zwei weitere (unbelegte) gleichartige Häuschen waren noch im weiteren Umkreis zu finden. Eine derart ruhige Zeit vor Heiligabend hatten wir noch nie. Was keinesfalls heißen soll, dass es uns langweilig gewesen wäre oder wir die Zeit dort nicht genossen hätten. Ein Mountainbikerennen gab es natürlich auch am Kap Agulhas. Bei diesem realisiere ich, dass die Aussage „very little sand“ (siehe Blogeintrag #2), welche ich für Ironie hielt, wohl doch keine war. Schließlich dürfen wir erstmal 10 Kilometer  durch den Sand am Strand entlang pflügen. Für Abwechslung sorgt dabei mein Darm, der an diesem Tag mächtig verrückt spielt. Durch Zünden des Afterburners (welch ein Wortspiel) kann ich mich dennoch der Konkurrenz entledigen. Das weitere Rennen gestaltet sich, vorsichtig ausgedrückt, sandig. In einer Abfahrt verheddert sich mein Lenker im Fynbos (→Google hilft). Mein Fahrrad bleibt instantan stehen, während ich mich weiterbewege. Den Gesetzen der Mechanik folgend befinde ich mich auf einer ballistischen Flugbahn. Aber alles kein Problem – ich lande mit Telemark im Sandkasten. Den Weitsprung-Weltrekord knacke ich dabei ganz bestimmt und ich darf zurück zu „Scottie“ joggen um auf diesem die Fahrt ohne weitere Zwischenfälle bis ins Ziel fortzusetzen. In einen südafrikanischen Nationalpark werden wir nach unserem Aufenthalt am Kap Agulhas allerdings vermutlich nie wieder rein gelassen. Zunächst erledigt Laura zielsicher beim Rückwärtsfahren das Schild „Cottage #3“ vor unserem Haus. Das ist in Anbetracht der Weite des Geländes eine bemerkenswerte Leistung. Emil seinerseits verpasst den Wänden in Cottage #3 in einem unbeobachteten Moment mit einem Kugelschreiber ein paar sehr moderne Höhlenzeichungen. So richtig böse kann man ihm gar nicht sein. Ich hatte ihm lediglich gesagt, dass er das Bett nicht anmalen soll. Den krönenden Höhepunkt bildet unsere Abreise. Beim Einladen des Autos zieht Emil die Tür hinter sich zu, während wir uns alle vor der Tür befinden. Zum Ersten schließt der Kerl normalerweise nie eine Tür – weder mit noch ohne Aufforderung. Zum Zweiten war mir die Gefahr, dass dieser Fall eintreten könnte, die ganze Zeit ziemlich bewusst und ich habe immer darauf geachtet, den Schlüssel in der Hosentasche zu haben … außer in diesem Moment, in dem er natürlich im Haus war. Zum Dritten befindet sich an ebendiesem Schlüssel auch der Schlüssel für das Tor der (sehr weitläufigen) Umzäunung des Geländes, sodass uns der in meiner Hosentasche befindliche Autoschlüssel nichts nützt – es sei denn, wir wollen noch mehr Schaden anrichten und das klapprige Tor einfach über den Haufen fahren. Zum Vierten befinden wir uns wirklich im Nichts und der nächste Ort ist einen Tagesmarsch entfernt. Zum Fünften schließlich haben wir am Haus keinen Handyempfang. Es bleiben nur zwei Möglichkeiten: (1) Irgendwo im Gelände Handyempfang zu finden oder (2) das immerhin schon im Auto befindliche Fahrrad (durch den Durchgang für die Tiere in der Umzäunung kommt man damit durch) zu benutzen, um zum nächsten Ort zu fahren. Murphy‘s Law hat ein Erbarmen mit uns und (1) hat Erfolg. Es stellt sich Heraus, dass „in einer Stunde“ die Putzkräfte kommen sollen, die noch einen Schlüssel haben. Was in Afrika „eine Stunde“ bedeutet wissen wir ja. Allerdings befinden wir uns wie bereits erwähnt inmitten von Ameisen, was den PKW zu unserem einzigen Rückzugsort macht. Alle Dinge, die uns die Zeit vertreiben könnten, befinden sich natürlich auch noch im Haus. So spielt Familie Stark am 24.12. mittags in einem klapprigen Volvo umgeben von Nichts „Ich seh etwas, was Du nichts siehst ...“. Die Putzkräfte sind dann gar nicht mal so unpünktlich. Das ist auch nötig, denn von der folgenden Unterkunft in Mossel Bay erhalten wir wenig später einen Anruf, dass wir „5 pm sharp“ eingecheckt sein müssen, weil danach Schicht ist und wir wahlweise am Strand, im Auto oder auf der Straße nächtigen müssen. Toll - bisher war von „7 pm“ die Rede. Die Fahrt nach Mossel Bay gestaltet sich notwendigerweise rasant und wird nur von zwei weiteren Anrufen, dass wir „5 pm sharp“ da sein müssen unterbrochen.
Cottage #3

Eine durchschnittliche Schildkröte

Motortraining fängt bei den Kleinsten an.

Father Christmas x 2

Der Leuchtturm am Kap Agulhas (Besteigung mit Kind und Kegel abenteuerlich)

In Mossel Bay ereilt uns ein Kulturschock: Aus der Einsamkeit inmitten eines Nationalparks ziehen wir in den zehnten Stock eines Apartment-Bunkers an einem Ballermann-artigen Strand um. Diese Tatsache haben wir meiner Naivität bzw. Dummheit zu verdanken. Wir hatten eigentlich etwas ganz anderes gebucht. Nur war dieses doppelt gebucht worden. Telefonisch hatte man mir eine „äquivalente“ Alternative angeboten und da die Unterkunftssituation über den Jahreswechsel in Mossel Bay offensichtlich schon arg angespannt war, habe ich Depp ohne weitere Nachfrage eingeschlagen. Ein Apartment mit Blick aufs Meer aus dem zehnten Stock hat natürlich auch was und wir machen einfach das Beste draus. Etwas beunruhigend ist allerdings, dass im ganzen Apartment Zettel angeklebt sind, welche die Strafgebühren für Dinge wie Nichtverschließen der Wohnung auflisten. Wenn Emil so weitermacht wie am Kap Agulhas, sind wir am Ende vermutlich pleite. Im Übrigen ist es sehr amüsant, von oben das Treiben am Strand zu beobachten. Mit unserer widerspenstigen Strandmuschel sind wir schon elendige Amateure im Vergleich zu den Profis, die im Nullkommanix ganze Bierzeltburgen errichten. Zum Glück sind die Strandtouristen ein faules Volk, sodass man dem Trubel mit wenigen Schritten leicht entgehen kann. Alternativ ist es auch möglich, einfach den Strandbesuch auf vormittags vor 10 Uhr zu verlegen. Hinreichend warm ist es auch dann schon. Die Wassertemperaturen laden übrigens im Gegensatz zu Cape Town voll und ganz zu ausgedehnten Badegängen ein. Der Unterschied zwischen indischem und atlantischen Ozean (bzw. warmer und kalter Meeresströmung) ist schon gigantisch. Selbstverständlich gibt es auch in Mossel Bay Mountainbikerennen. Ein Schelm der denkt, wir hätten die Urlaubsplanung nach den Rennen gerichtet. Das Boxing-Day-Rennen hat Laura gestern bereits für sich entschieden, während ich an Silvester nochmal ran darf bevor wir uns auf die Heimreise begeben.
Blick aus dem Apartment in Mossel Bay

Vielfach erreichte uns die Frage, wie es denn mit den Weihnachtsgefühlen steht. Nun – von Weihnachten merken wir hier nicht viel. Die Kinder haben zwar Adventskalender und wir Lebkuchen aus D geschickt bekommen und außerdem hat der Kindergarten die Weihnachtsgeschichte aufgeführt (mit Paul als Kamel und Emil als Schafhirte). Weihnachtsdekoration gibt es allerdings nur sporadisch und Strandwetter geht einfach vom Kopf her nicht mit Weihnachten zusammen. Es ist aber auch nicht so, dass uns etwas fehlen würde. Erst recht nicht Blick auf die gegenwärtigen Temperaturen in Deutschland. Damit bis zum nächsten Mal.

Mal wieder Table Mountain

Wanderung

Hallo!?